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Ärztliche Osteopathie

(oder: Wie der Osteopath Sie wieder zurückbringt in das Gefühl für Sie selbst.)
 
Osteopathie hilft Ihnen, sich selbst besser und schneller wieder heil zu machen. Osteopathie hilft bei weitgehend allen orthopädischen Erkrankungen, als Haupttherapieform oder als Hilfsmnethode. Kontraindikationen für die Osteopathie sind selten, ein guter Osteopath informiert Sie auch über die Grenzen der Methode.
 
Osteopathiegrundlagen:
Die Osteopathie ist wie die Homöopathie eine medizinhistorisch neue ganzheitliche medizinische Therapieform, die von einem Arzt entwickelt wurde. Dr. Still beschrieb diese revolutionäre Methode im Amerika nach dem Sezessionskrieg im 19. Jahrhundert. Zuvor hatte er als Arzt 3 seiner Kinder in einer Hirnhautentzündungsepidemie verloren. Er zog sich enttäuscht von der Medizin aus überliefertem schulmedizinischen Denken zurück, und entwickelte auf dem Boden seiner Ausbildung als Arzt die neue Heilmethode. Durch genaue Beobachtung, Untersuchung und entsprechend präzise manuelle Behandlung war er als Arzt und Osteopath in der Lage, Menschen mit unterschiedlichsten Gebrechen (Infektionen, Rückenschmerzen, Störungen der inneren Organe Leber und Herz, Immunstörungen wie Asthma etc.) erfolgreich zu helfen. Kernelement ist dabei, dass der Osteopath oder die Behandlung nicht heilt, sondern er oder sie hilft bei der Selbstheilung des Patienten, indem relevante Funktionsstörungen des erkrankten Organismus beseitigt werden! Als Vater der europäischen Osteopathie gilt der schottische Arzt Dr. John Martin Littlejohn, der 1892 als Patient von Dr. Still die erste Berührung mit der Osteopathie erlebte. Seitdem war er Schüler und Anhänger der Osteopathie, die er zwischen 1898 und 1902 nach Europa exportierte. 1913 siedelte er u.a. aus berufspolitischen Gründen nach England über. 1917 entstand durch ihn die erste britische Schule für Osteopathie. 

Ein weiterer Student von Dr. Still, William G. Sutherland, entdeckte das Konzept der cranialen Osteopathie, indem er die gelernten Gesetzmäßigkeiten auf die gelenkigen Verbindungen der Schädelknochen übertrug. Er verfeinerte osteopathische Palpationstechniken, und beschrieb auch eine universelle Kraft, die "potency", die für den spirituellen Aspekt der Heilung steht, deren Ursprung nicht im Arzt oder Patienten sei. 

Der amerikanische Osteopath John E. Upledger löste in den 60 er Jahren Sutherlands craniales Konzept aus der Osteopathie heraus, und verkaufte sein dann "kraniosacrale Therapie" genanntes Konzept höchst gewinnbringend und nicht ohne Schädigung des Gedankens der Osteopathie weltweit. Dr. Still, der den Spruch geprägt hat: "Use all the tools and keep them pure" (Benutze alle Werkzeuge (der Osteopathie, die Redaktion) , und halte sie rein.") wäre mit diesem Schritt sicher nicht einverstanden gewesen, verabsolutiert sie doch unerlaubterweise eines von vielen Instrumenten der Osteopathie. 

Weitere ärztliche und nichtärztliche Osteopathen entwickelten bereichernde ergänzende osteopathische Techniken auf dem Boden der erlernten Prinzipien nach Dr. Still ohne zu schädigen weiter : Dr. Fred Mitchell entwickelte die Muskelenergietechnik, Lawrence Jones die Strain-Counterstrain-Technik, Jean Pierre Barrall entwickelte das Konzept der visceralen Osteopathie. 

Die Kinderosteopathie wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts von großen Osteopathinnen wie der Ärztin Dr. Viola Fryman, die mit Ihrem Institut in Californien großartige Entwicklungsarbeit geleistet hat, und wie keine 2. Osteopathin die Bedeutung der Kinderosteopathie wissenschaftlich abgesichert hat. Dr. Jane Carreiro hat als Universitätsprofessorin, Kinderärztin und Osteopathin mit Ihrem Kinderheilkundebuch "Pädiatrie aus osteopathischer Sicht" einen relevanten und wissenschaftlich tragfähigen Versuch der Synthese aus klassischer Kinderheilkunde und Osteopathie geleistet. 
 
Osteopathiephilosophie:
Die philosophischen Grundlagen sind deutlich unterschiedlich zu der derzeit in Europa gültigen schulmedizinischen Philosophie, die nachcartesianischen Grundgesetzen funktioniert. Der ständige Versuch, alles in der Medizin durch statistische Berechnungen belegen zu können, wird dem System "Mensch" nicht immer gerecht. Goethe hat mit seiner naturwissenschaftlichen Methode eine andere wissenschaftliche Philosophie und Denkart angestoßen, die in Europa noch nicht verstanden und umgesetzt wurde. Insbesondere in Deutschland sind die Auswirkungen der 68er Ideen und den daraus resultierenden Kontrolle bedürfenden Denk- und Handlungsweisen, wie sie insbesondere in totalitären und sozialistischen und stark sozialisierenden Systemen üblich sind, hinderlich in der Befreiung des Denkens, das hierfür notwendig wäre. (Leseempfehlung: Henri Bortoft, Goethes naturwissenschaftliche Methode, Verlag Freies Geistesleben ISBN 3-7725-1544-4). Der Quantenphysiker Prof. Bortoft, mit universitärer Karriere in England, hält zu diesem Thema in England vielbeachtete Vorträge neben seiner Forschungstätigkeit, und kann uns viel geben, wenn es darum geht, den "Schatz Goethe" für die Naturwissenschaften (zu denen die Grundlagenfächer der Medizin und der Osteopathie selber unwidersprochen gehören) auch in Deutschland zu heben. Beispielhaft gelingt es ihm zum Beispiel, mit der Hilfe von Goethesianischer Sicht, die Farbenlehre von Newton auszuhebeln. 
 
Kernsätze:
a. Rudolf Magnus 1906: "Es gewährt, wie ich aus eigener Erfahrung versichern kann, einen eigentümlichen Reiz, an dieser geweihten Stätte mit Goethes eigenen Apparaten seine Versuche nachzumachen und sich zu überzeugen, mit welcher Exaktheit er beobachtete, mit welcher anschaulichen Treue alles, was er bei seinen Versuchen sah, von ihm geschildert wurde." 

b. …., und man versteht Naturwissenschaft am ehesten als eine Tätigkeit, die auf allgemeinen kulturellen Voraussetzungen beruht, das heißt, als ein Produkt eines sozialen Prozesses. Mithin haben die Gründe, warum eine naturwissenschaftliche Theorie anerkannt wird, oft mehr mit kulturellen Faktoren zu tun als mit den Vorzügen, die in der betreffenden Theorie selbst innewohnen. (Bortoft s.o., S.10) 

c. Goethes Ansatz strebt zu vermeiden, dass das Phänomen auf den bloßen Effekt eines Mechanismus reduziert wird, der sich hinter den Kulissen verbirgt. Statt dessen versuchte er, die Einheit und Ganzheit (…) zu finden, indem er sich den Beziehungen zwischen diesen Phänomenen, so wie sie wahrgenommen werden konnten, zuwandte. (Bortoft S. 11/12) 

d. Als Opfer des Cartesianismus, nach dem das Bewusstsein im rein Subjektiven gefangen bleibt, können wir zunächst nicht glauben (!,d. Redaktion), daß das, was Goethe als Art seines Anschauens erlebte , ein objektives Charakteristikum der Welt sein kann. 

e. Um Goethes Anschauungsweise zu verstehen, müssen wir sie selbst erleben. Wir können sie nur wirklich durch Mitmachen verstehen, das heißt, wenn jeder von uns zeitweilig eine solche Geisteshaltung einnimmt, dass er Goethes Art der Anschauung zur eigenen macht. (Bortoft, S.13) 

f. Was Newton durch seine Verbindung von Experiment und Theorie getan hat, war, das Phänomen der Farbe durch eine Zahlenreihe zu ersetzen. Indem er das tat, erfüllte er das Programm zur wissenschaftlichen Untersuchung der Natur, das Galilei und andere aufgestellt hatten. Die Einführung der quantitativen mathematischen Methode in die Naturwissenschaft führte zwangsläufig zur Unterscheidung zwischen primären und sekundären Sinnesqualitäten. Primäre Qualitäten sind solche, die sich in direkter Art mathematisch ausdrücken lassen- wie Zahl, Größe, Lage im Raum und Ausdehnung. Im Gegensatz dazu nennt man Qualitäten sekundär, die nicht in direkter Art mathematisch ausgedrückt werden können- etwa Farbe, Geschmack und Klang. Diese Unterscheidung entwickelte sich in der Folge zu einem Dualismus,in dem nur die primären Quellen als real angesehen wurden. Eine sekundäre Qualität hielt man lediglich für die Wirkung einer primären Qualität auf die Sinne und damit nur für eine subjektive Empfindung und nicht für einen Teil der Natur. Die Folge dieses Schrittes war, dass einige Eigenschaften der Natur, denen wir im unmittelbaren Erlebnis begegnen, als irrealbeurteilt wurden, als bloße Sinnesillusionen. Die eine Gruppe der Qualitäten, die primären, stellte man sich so vor, als seien sie hinter den anderen wirksam, verborgen hinter den Erscheinungen, so daß man eine sekundäre Qualität verstanden zu haben glaubte, wenn man erklärt hatte, wie sie allein aus primären Qualitäten hatte entstehen können. Mit anderen Worten: Die sekundären Qualitäten seien in Wirklichkeit primäre Qualitäten, die sich nur für die Wahrnehmung in einer anderen Weisezeigen, als sie wirklich sind, so dass es die Aufgabe der Wissenschaft sei, alle Naturphänomene letztlich auf solche primäre Qualitäten wie Form, Bewegung und Zahl zurückzuführen. (Bortoft, S. 18/19) 

g. In Goethes Sinne zu beobachten verlangt von uns, dass wir uns so verhalten, als ob die Richtung des Sehens umgekehrt wäre, als ob sie von uns zum Phänomen ginge statt umgekehrt. Das geschieht in der Tat, wenn man Aufmerksamkeit ins Sehen legt, so dass wir wirklich sehen, was wir sehen, statt nur einen optischen Eindruck zu haben. (Bortoft, S. 21) 

h. Die Goethe Übung "Exakte sinnliche Phantasie": Das Ziel ist es, das Phänomen in der Vorstellung konkret zu denken, nicht aber, über es nachzudenken. Dabei muss man den Versuch machen, nichts auszulassen, und nichts hinzuzufügen, was nicht beobachtet werden kann. Goethes Ausspruch "Die immer schaffende Natur nachzuschaffen" bezog sich auf diese Übung. (Bortoft, S 22) 

i. Synthese aus Sehen und Denken: Verbindet man sie (die Vorstellung, das Denken, d. R.) mit dem aktiven Sehen, so hat das zur Folge, dass das Denken mehr von der Qualität des Wahrnehmens und die sinnliche Wahrnehmung mehr von der Qualität des Denkens erhält. Das Ziel ist, ein Organ der Wahrnehmung zu entwickeln, das unsere Berührung mit dem Phänomen auf eine Art vertiefen kann, die nicht möglich ist, wenn wir uns nur Gedanken darüber machen und das Phänomen mit unserem intellektuellen Verstand verarbeiten. (Bortoft, S. 22) 

j. Kenntnis von der Welt ist auf sinnliche Erfahrung gegründet, ist aber nicht dasselbe wie sinnliche Erfahrung. (Bortoft, S 31) 

k. Das nichtsinnliche Wahrnehmen… ist in Wirklichkeit das Wahrnehmen dessen, was man Bedeutung nennen kann. (Bortoft, S. 33) 

l. Die Einheit (von Phänomenen, d. Redaktion) "leuchtet auf" im Bewusstsein - sie ist eine Einsicht und keine "Draufsicht". Das Phänomen ist nur zum teil für die Sinne wahrnehmbar. Das vollständige Phänomen ist nur sichtbar, wenn sich sinnliche Außensicht und geistige Innensicht zusammenschließen. 

m. Wir haben inzwischen eine wachsende Zahl von Beweisen, die die Sichtweise stützen, dass es zwei hauptsächliche komplementäre Formen des menschlichen Bewusstseins gibt. … Das analytische Bewusstsein entspricht … dem diskursiven Denken des verbal-intellektuellen Verstandes - um ihn vollständig zu bezeichnen. Das holistische Bewusstsein ist komplementär zum analytischen. Es ist im Gegensatz dazu nichtlinear, simultan und intuitiv statt verbal-intellektuell und betrifft mehr die Beziehungen als solche denn die diskreten Elemente, die zueinander in Beziehung stehen. 
 
Wann sollten Sie eine osteopathische Diagnostik und Behandlung durchführen lassen?

Eine eindeutige Empfehlung wird niemand geben können. Einige Empfehlungen könnten sein:

a. Wenn Sie nicht krank sind im Sinne von "Symptomen", und gesund bleiben wollen.

b. Wenn Sie organisch nicht krank sind in den Augen der "Schulmedizin", sich aber nicht gut fühlen, unerklärbare Phänomene wie Schwindel, Ohrgeräusche, rezidivierende Infekte, Schmerzen in Gelenken und Wirbelsäule vorhanden sind, Kinder sich auffällig verhalten, Schulprobleme haben oder Wachstumstörungen entwickeln an Extremitäten oder Wirbelsäule, zB. die sogenannte "Idiopathische Skoliose" oder Fuß- und Beinachsdeformitäten.

c. Wenn Sie organisch krank sind, Sie gute Hilfe durch "Schulmedizin" bekommen, aber noch mehr für sich tun wollen.

Jedes lebendige Gewebe ist grundsätzlich osteopathisch behandelbar. In jedem Alter können alle Menschen jedweder Konstitution osteopathisch behandelt werden. Der Nutzen ist dabei sowohl für Neugeborene, Schwangere, Sportler, Kranke und Sterbende belegbar durch osteopathische Literatur (systemimmanent nicht "evidence-based"). 
 
Die Grundprinzipien der Osteopathie sind:

a. Gründliche Anamnese 

b. ausführliche manuelle Untersuchung des ganzen Körpers vor jeder Behandlung

c. strukturelle Korrekturen an Gelenken und Organen wohldosiert

d. ausschließlich weiche Techniken werden bis auf seltene Ausnahmen benutzt

e. "Knacken" ist kein Kriterium für eine erfolgreiche Behandlung

f. osteopathische Behandlungen sind niemals anhaltend schmerzhaft

g. osteopathische Behandlungen beschränken sich nicht auf eine bestimmte Behandlungstechnik

h. Nicht der Impuls des Therapeuten ist letztlich entscheidend, sondern die wieder aktivierten Selbstheilungs- und Regulationskräfte des Patienten.

i. Es besteht keine hierarchische Ordnung zwischen Patient und Therapeut.

j. Die Ausbildung zum Osteopathen, sei es Vollzeit oder berufsbegleitend Teilzeit, sollte mit einem Diplom oder Doktortitel abgeschlossen worden sein, das auf die empfohlene und berechtigte Nachfrage durch Sie als Patient/Eltern auch gerne und stolz von Osteopathen gezeigt wird.